Kinder psychisch kranker Eltern

 

 

"Die psychische Erkrankung von Eltern ist ein bis heute oftmals tabuisierter Hochrisikofaktor für die Entwicklung der Kinder, der die gesamte Familie betrifft."
(Plass, A.; Wiegand-Grefe, S. (2012) Kinder psychisch kranker Kinder)

Dies führen die Autoren Lenz und Wiegand-Grefe weiter aus:

 

"Psychisch erkrankte Eltern machen sich Sorgen, dass sich ihre Störung auf die Kinder überträgt und ihre Kinder ebenfalls erkranken. Wie die Ergebnisse der sogenannten Risikoforschung zeigen, sind die Sorgen nicht ganz unberechtigt. Kinder von Eltern mit einer psychischen Störung sind nicht nur in vielfältiger Weise von der elterlichen Erkrankung betroffen, sondern haben ein deutlich erhöhtes Risiko im Verlaufe ihrer Entwicklung mit Verhaltensauffälligkeiten zu reagieren und selbst an einer psychischen Störung zu erkranken. Sie stellen somit eine besondere Risikogruppe dar, die eine sehr viel höhere Rate psychischer Störungen aufweist als Kinder aus Vergleichsfamilien mit psychisch gesunden Eltern."


(Lenz, A.; Wiegand-Grefe, S. (2016) Ratgeber Kinder psychisch kranker Eltern)

 

Nach den Autorinnen Plass und Wiegend-Grefe erleiden etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung.

 

Die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern gelangt immer stärker in den Fokus der Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie. Genau in der besseren Vernetzung dieser drei Bereiche sehen viele Fachleute auch die Chance einer Verbesserung der Hilfe und Unterstützung für betroffene Kinder und ihre Familien.

 

 

"Wenn der Krankenwagen meinen Papa holt und die Nachbarn glotzen und mir keiner was erklärt, dann fühle ich mich hilflos."
(Kind, 9 Jahre, Zitat aus dem Buch "Die Alleskönner", 2015)

 

In der Fortbildung pädagogischer Fachkräfte zu diesem Thema macht es Sinn auf die entwicklungspsychologischen Ebenen, aber auch auf die biologischen und sozialen Faktoren unter Berücksichtigung von alters- und geschlechtsspezifischen Aspekten zu schauen.

 

Inhaltlich können Inhalte von Fortbildung sein:

  • Wie geht es den Kindern, die mit einem psychisch verletzlichen bzw. kranken Elternteil aufwachsen?
  • Welchen Belastungen und Risikofaktoren sind sie ausgesetzt?
  • Welche Familiendynamiken wirken?
  • Was stärkt diese Kinder?
  • Was kennzeichnet resiliente Kinder psychisch kranker Eltern?
  • Welche Copingstrategien und Bewältigungsprozesse entwickeln die Kinder bzw. die Familien?

 

Ein wichtiger weiterer Inhalt von Fortbildungen zum Thema "Kinder psychisch kranker Eltern" ist der Bereich der Psychoedukation. Kinder und Jugendliche sollten über die  Erkrankung ihrer Eltern alters- und entwicklungsbezogen informiert werden.

 

Angrenzende Bereiche, wie der Kinderschutz, geeignete Fördermaßnahmen, interessante Modelle und Netzwerke für die betroffenen Kinder und ihre Familien können Ihnen als pädagogische Fachkraft helfen, Ihre praktische Arbeit weiter zu entwickeln.  

 

Im Bereich der Selbstevaluation macht es u. a. Sinn zu reflektieren:

  • Was macht das Thema eigentlich mit mir als pädagogische Fachkraft?
  • Welche persönlichen Haltungen, Bezüge und Folien habe ich zum Thema "psychisch kranke Eltern"?
  • Gibt es möglicherweise eigene Erfahrungen in meiner Herkunftsfamilie?
  • Wie ist mein Wissensstand zu psychischen Erkrankungen und Psychoedukation von betroffenen Kindern und Familien?

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei dem Thema "Kinder psychisch kranker Eltern" um eine höchst spannende und komplexe Herausforderung in der Sozialen Arbeit handelt. Durch den vermehrten Anstieg psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft und der davon betroffenen Risikogruppe der Kinder und Jugendlichen, besitzt das Thema eine aktuelle Brisanz und macht deshalb auch das Wissen der pädagogischen Fachkräfte und das Entwickeln geeigneter Angebote so wichtig.

 

"Quatschmachen ist die beste Medizin.

 

Quatschmachen tut so gut."


(Zitat eines Kindes aus dem Buch "Die Alleskönner", 2015)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Anja Thürnau, 2019

Systemische Beratung und Supervision