„Wie schön, dass Sie da sind …“

Systemische Beratung im Zwangskontext

"Der zur Entscheidung Gezwungene befreit sich

vom Zwang zur Entscheidung"

(Else Pannek)

 

Wer als Fachkraft in den psycho-sozialen Berufen mit Klienten arbeitet, die im sogenannten Zwangskontext in die Beratung kommen und von sich aus kein Anliegen haben, hat zwei Möglichkeiten:

 

Sich einen anderen Arbeitskontext bzw. andere Klienten suchen oder zu versuchen, die Möglichkeiten zu nutzen, die uns die Arbeit im Zwangskontext bietet. So beschreiben es Marie-Louise Conen und Gianfranco Cecchin in ihrem Buch mit dem Titel „Wie kann ich Ihnen helfen, mich wieder loszuwerden?“.

 

Die Arbeit im Zwangskontext oder mit unmotivierten Klienten bietet - gerade in der Kombination mit systemischen Haltungen und Methoden -  viele spannende Möglichkeiten. Unfreiwilligkeit muss per se kein Hindernis für eine gute oder sogar vertrauensvolle Zusammenarbeit sein, sondern kann eine gute Gelegenheit bieten, durch diese Rahmung überhaupt an entscheidenden Themen mit den Klienten arbeiten zu können. Ähnlich, wie bei der Arbeit mit Konflikten, die auch zu diesem Bereich dazugehört, gibt es hier großes Potential für Veränderungen.

 

Unumgänglich ist es als Beraterin im Zwangskontext, sich mit dem Aspekt „Macht“ auseinanderzusetzten. Als psycho-soziale Fachkraft im Zwangskontext haben wir unweigerlich eine gewisse Macht in der Ausübung unserer Aufgaben, die nicht selten im Kontrast zu einem „klientenorientierten“ Selbstverständnis steht.

 

Klassische Arbeitsbereiche für die Arbeit im Zwangskontext sind die Jugendämter, die Beteiligten der Jugendhilfe, die Arbeit im Bereich des Kinderschutzes, Bereiche mit geschlossener Unterbringung aber auch die Arbeit in Schulen oder Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, usw.

 

 

Seminarinhalte sind u. a.:

  • Ein Blick auf Bedürfnisse, Stressreaktionen und Konfliktverhalten: Was hat das mit uns als Berater*innen zu tun?
  • Soziale Kontrolle & Macht versus Neutralität & Allparteilichkeit?
  • Un-(Freiwilligkeit) & Kontextsensibilität
  • Hoffnung(-slosigkeit) & die Haltung der Neugier
  • Die Aspekte der Loyalität, Rollensensibilität „Hüte“ & Transparenz
  • Selbstwert, Humor & andere Soft Skills: Was hat Haltung & Rahmung mit gelingenden Prozessen zu tun?
  • Systemische Interventionen und Methoden im Zwangskontext - best practice

 

Die theoretischen Inputs werden im Seminar immer wieder in praktischen Einheiten, wie z. B.  als „Fragen zur Selbstevaluation und Haltung“ oder anhand der Arbeit an Fällen reflektiert.

 

 

Zielgruppe: Fachkräfte aus der psycho-sozialen Arbeit mit und ohne systemische Vorerfahrung, für die das Thema in ihrem Arbeitsbereich von Bedeutung ist oder die einfach Interesse am Thema haben.

 

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© Anja Thürnau, 2019

Systemische Beratung und Supervision