Sekundäre Traumatisierung in der Sozialen Arbeit

"Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen?

Ach, gerne möchte ich sie bei irgendwas Verlorenem im Dunkel unterbringen an einer fremden stillen Stelle, die nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen…."
(Rainer Maria Rilke, 1907)*

 

 

 

Die "Sekundäre Traumatisierung" wird im Bereich der Sozialen Arbeit immer mehr Thema, oft auch in Problematiken der "Mitgefühlserschöpfung" beschrieben oder in Artikeln über "Psychohygiene" oder Anti-Burn-Out-Strategien erwähnt.

 

Bei den Psychotherapeuten und speziell den Praktikerinnen traumatherapeutischer Arbeit ist dies Phänomen bereits lange bekannt und beschrieben.

 

„Mittlerweile ist das Risiko einer Sekundären Traumatisierung auch bei den Berufsverbänden anerkannt. So haben z. B. die International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS) sowie die AntaresFoundation auf ihrer Internetseite Artikel zu diesem Thema platziert, indem sowohl die Symptomatik als auch Vulnerabilitätsfaktoren beschrieben werden (AntaresFoundation, 2005; International Society for Traumatic Stress Studies, 2005).“*

 

 

In den Feldern der Sozialen Arbeit, hier am Beispiel der Arbeit der Jugendämter dargestellt, ist die Problematik der "Sekundären Traumatisierung" zwar oft tägliche Realität, jedoch bei den Akteuren meist noch unbekannt.

 

Hohe und steigende Fallzahlen, Überlastung, zunehmende Mitarbeiterfluktuation und die damit einhergehende Vertretung der offenen Bereiche, stellen die Mitarbeiter vor hohe - teilweise nicht zu erfüllende Anforderungen.

 

Dabei fordern besonders die Kinderschutzfälle im Rahmen der Garantenpflicht die Jugendamtsmitarbeiter und lassen diese in nicht vorhersehbare, emotional stark belastende und kritische Situationen geraten - dazu meist ohne Vorwahnung.

 

„Interessanterweise fanden Kadambi und Truscott (2003), so wie auch schon Pickett (1998) und McLean et al. (2003), einen engeren Zusammenhang zwischen vicarious traumatization und Burnout als zwischen vicarious

Traumatization und PTSD-Symptomatik. (…) Unter emotionaler Erschöpfung, dem Leitsymptom des Burnout, versteht Maslach (Maslach, 1982; Maslach & Leiter, 1997) das Gefühl, durch den Kontakt mit Klientinnen ausgelaugt und überanstrengt zu sein. Dehumanisierung beschreibt eine gefühllose und abgestumpfte Reaktion auf Klientinnen, die geprägt ist von Gleichgültigkeit und Verlust des Interesses am Schicksal der Klientin. Die letzte Dimension des Konstruktes drückt sich in reduzierter Leistungsfähigkeit aus. Als Leistungsfähigkeit werden hier ein konstruktiver Umgang mit den Klientinnen, Empathievermögen und die Fähigkeit genannt, ruhig und ausgeglichen mit emotionalen Problemen umgehen zu können,“*  **

 

 

Regelmäßige Supervision hilft die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und wirkt gleichzeitig als Burn-Out-Prophylaxe.

 

 

* Daniels, Judith (2006) Sekundäre Traumatisierung - kritische Prüfung eines Konstruktes.

 

** PTSD-Symptomatik: Posttraumatische Belastungsstörung (Abkürzung PTBS; englisch posttraumatic stress disorder, Abk. PTSD); Quelle: Wikipedia.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Anja Thürnau, 2019

Systemische Beratung und Supervision